Erwachen

17 Mar

Erwachen

Die Menschheit befindet sich am Rande einer beispiellosen Krise und Veränderung. In jedem Land gibt es eine grösser werdende Welle der Furcht, während wir Zeugen werden, wie unsere ökonomischen und sozialen Institutionen anscheinend versagen. Für viele Menschen fühlt sich diese schwierige Lage der Welt bedrohlich und sogar unüberwindbar an. Und doch sollte erkannt werden, dass dies nicht eine Krise ist, die das Ende vorhersagt. Stattdessen ist sie das Vorzeichen für einen neuen Anfang. Zum ersten Mal in der Geschichte, erwacht die Seele der Menschheit.

Das Erwachen der Seele der Menschheit kann zunächst in vielfältiger Art und Weise erkannt werden. Zum Beispiel sind wir durch das Aufkommen des Internets und der weltweiten Kommunikation in der Lage, Zeugen der reichhaltigen und verschiedenartigen Ausdrucksformen der menschlichen Kultur an jedem Ort der Erde zu werden. Dies war ein grosses Geschenk. Unsere Gemeinsamkeit konnte dadurch leichter entdeckt werden. Es hat uns geholfen, zu erkennen, dass während die kulturellen Unterschiede weitgefasst und sehr verschieden sind, die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse und Wünsche in essentieller Hinsicht die gleichen sind. Wir alle streben nach Glück, Frieden und der Möglichkeit zu wachsen und wir wollen erleben, dass unsere Kinder Freude und auch Wohlstand erleben. Dies trifft zu, unabhängig von kulturell oder sozio-ökologisch unterschiedlichem Hintergrund. Sich dieser Tatsache bewusst zu werden, ist wichtig. Auf diese Weise beginnen wir, uns selbst in anderen zu sehen —etwas, dass der erste Schritt ist, in der Erkenntnis des grundlegenden Eins-Seins der Menschheit.

Eins-Sein als Essenz

Die Akzeptanz des Eins-Seins der Menschheit ist der erste Schritt, zu versuchen durch die globale Krise, der wir gegenwärtig gegenüber stehen, hindurch zu navigieren. Natürlich ist die Idee, dass wir eins sind, nicht neu. Sie war einer der Grundsätze, der von den Weltreligionen über unzählige Jahrhunderte hinweg vertreten wurde. Üblicherweise ist unser Eins-Sein in der Gemeinsamkeit Menschen zu sein, verwurzelt und doch ist dies nur die erste Phase in dieser Wahrnehmung. Wir müssen verstehen, dass wir nicht nur eins sind in unserer Art, sondern wichtiger noch, dass wir eins sind in unserer Essenz. Über das Gleichsein unserer menschlichen Erfahrung hinaus (und dahinter), gibt es eine innere Dimension, in der wir als eine Seele verbunden sind — die Seele der Menschheit. Diese kollektive Seele kann als transzendentes vereintes Bewusstsein, welches die gesamte menschliche Familie überschattet, verstanden werden. Und dies ist es, was nun aus seinem langen historischen Dahindämmern erwacht.

Die Seele der Menschheit erwacht und sie lernt, sich selbst, durch die zahlreichen Gewänder ihres äusseren Ausdrucks hindurch, zu erkennen. Diese Gewänder manifestieren sich als kulturelle und rassische Unterschiede, als religiöse Variationen und sozio-politische Unterscheidungen durch die gesamte Welt hindurch. Jedes ist ein Aspekt der Seele der Menschheit, die sich selbst in den (und als) der menschliche Zustand inkarniert. In dieser Hinsicht ist es Eins-Sein, welches sich in der Verschiedenheit manifestiert — das Eine wird zu den Vielen. Aus esoterischer Sicht, bedeutet dies, dass die Menschheit als eine einzelne Wesenheit, lernt, wie sie die vielen Teile in sich selbst erkennen kann. Hierin kann ein entscheidender Anhaltspunkt gefunden werden, um die kollektive Seele der Menschheit zu erkennen. Durch die Wertschätzung der menschlichen Vielfalt, kann eine innere Einheit gespürt werden. Im Gegensatz zum konventionellen Denken, wird unser Eins-Sein nicht durch die ethnischen oder kulturellen Ähnlichkeiten erkannt, sondern durch den Reichtum unserer Unterschiedlichkeit.

Die Dualität Sozialer Systeme

Die Seele der Menschheit zu spüren, erfordert, dass wir die Art der vielen sozialen Systeme untersuchen, die von einer Kultur und der Zivilisation benutzt werden. Obwohl wir bezeichnenderweise die Regierung, die Künste und die Wissenschaften (um nur einige zu nennen) als Institutionen betrachten, die dazu geschaffen sind, unterschiedliche gesellschaftliche Funktionen zu fördern, sind sie tatsächlich viel mehr als dies. Soziale Systeme müssen als lebendige Wesenheiten verstanden werden. Sie sind lebendige Kategorien der menschlichen Gedanken, die sich über endlose Zeiträume hinweg entwickelt haben. Jede versorgt die Menschheit mit einem essentiellen Bestandteil, um ihre Evolution zu unterstützen. Und genauso wie ein Mensch eine höhere und eine niedere Natur hat, so haben dies auch die sozialen Systeme, die von jeder Zivilisation und Kultur auf der gesamten Welt genutzt werden.

Ein Verständnis der Lebendigkeit sozialer Systeme ist unentbehrlich, wenn man die vielen Krisen betrachtet, denen die Menschheit heute gegenüber steht. Tatsächlich stammen die Schwierigkeiten, die wir nun sehen, hauptsächlich von den Unzulänglichkeiten vieler unserer sozialen Institutionen. Und während dies zutrifft, werfen wir das Netz der Schuld oft doch zu weit aus, ohne zu realisieren, dass soziale Systeme dual in ihrer Natur sind. Wir übersehen die Tatsache, dass sie lebende Einheiten aus eigenem Recht sind und dass sie sowohl eine Persönlichkeit als auch eine Seele haben. In Krisenzeiten neigen wir dazu, in unseren Institutionen nur das Schlimmste und ihr Versagen zu sehen und zu vergessen, dass es nur die niedere Natur (die Persönlichkeit) einer Institution ist, die der Übeltäter ist.

Die Welt-Krise und der Brennende Grund

Aus einer bestimmten Perspektive repräsentiert die Welt-Krise den noch nicht ausgereiften Zustand des Bewusstseins der Menschheit. Zum ersten Mal in der Geschichte versucht die Seele der Menschheit, sich absichtsvoll durch unsere kollektive Persönlichkeit, en masse, auszudrücken. Dies kann anhand der Tatsache erkannt werden, dass auf der ganzen Welt, mehr und mehr Menschen zu spüren beginnen, dass eine Notwendigkeit besteht, im Sinne höherer Werte zu leben. Es ist ein Erwachen zu einer tief inne-liegenden spirituellen Dimension — ein höheres Potential. Diese Werte sind das Versprechen der Zukunft und werden in das Denkvermögen der Menschen durch diese grössere Seele eingepflanzt.

Während dieses Erwachen beginnt, tendieren paradoxerweise viele dunkle Aspekte des Bewusstseins, die in unserer kollektiven Persönlichkeit verborgen sind, dazu, dem Herabblicken der Seele Widerstand zu leisten. Dies erklärt das Auftreten solcher Dinge, wie die spirituelle Intoleranz, die in vielen verschiedenen Welt-Religionen gefunden werden kann, die beschämenden Motive, durch die viele Geschäftsmagnaten und skrupellose Praktiken der unterschiedlichsten Regierungen überall auf der Welt angetrieben werden. Dies sind Symptome einer radikalen Veränderung. Sie sind die Schatten-Aspekte unseres kollektiven Bewusstseins, die sich im Widerstand zur Seele der Menschheit erheben, in dem Moment, in dem diese Seele versucht, höhere Werte in uns einfliessen zu lassen. Wenn das höhere Bewusstsein der Gesellschaft innerlich erkannt wird, werden wir uns sofort unterschiedlicher Einstellungen und psychologischer Charakteristika bewusst, die versuchen, ihren weiteren Ausdruck zu verhindern. Metaphorisch ausgedrückt: wenn das Tor zur Seele entdeckt wird, findet man das Böse, welches davor steht.

Während der letzten Jahre wurde das Schlimmste der menschlichen Natur sichtbarer für uns. Wir wurden Zeugen unvergleichlicher Korruption innerhalb unserer ökonomischen und geschäftlichen Strukturen, wir sahen, wie sich dunkle und primitive Verhaltensweisen gewaltsam durch eine fundamentalistsische Theologie ausdrückten und wir sahen den himmelsschreienden Genozid in Afrika und an anderen Orten der Welt. Auf den ersten Blick ist es einfach, zu dem Schluss zu kommen, dass die Menschheit sich auf dem Weg zur Selbstzerstörung befindet. Und doch ist dies nicht so. Wir werden nicht Zeugen des Endes der Zivilisation. Es ist vielmehr so, dass die Menchheit in eine Phase der Krise eingetreten ist, die eine vielversprechende Zukunft ankündigt. Noch mal: es ist der Teufel, der vor der Tür der Gelegenheit wartet.

Gemeinsam haben wir das betreten, was die Phase des brennenden Grundes unserer evolutionären Reise genannt wird. Dies ist eine Phase schmerzhafter Anpassungen. Und doch bringt sie zur gleichen Zeit die Menschheit einer erleuchteteren Ära näher. Man könnte fragen, was die Menschheit aufgerüttelt hat, diesen brennenden Grund zu durchschreiten? Es ist die Seele der Menscheit, die ihren Ausdruck sucht durch die Nationen der Welt und die sozialen Institutionen , die wir benutzen. Ja, wir erwachen zu unserer gemeinsamen Seele. Die Krise, der wir gegenüber stehen, wird durch die Schatten-Aspekte unserer gemeinsamen Persönlichkeit hervorgerufen, die sich zur Verteidigung erhebt. Die Schwierigkeiten, die jetzt auf der Weltbühne ausgetragen werden, sind daher voraussagbar. Ganz grundlegend ist es ein Entwicklungsmuster, welches in die Evolution des menschlichen Bewusstseins eingewoben ist. Dunkelheit tritt ganz natürlich vor der Morgendämmerung auf. Weiser Optimismus ist daher angezeigt.

Eins-Sein, erreicht durch die Krise

Während das Bewusstsein der Menschheit sich entwickelt, beginnen wir zu verstehen, dass eines der Mittel, um durch die Weltkrise hindurch zu navigieren, erfordert, das essentielle Eins-Sein der Menschheit zu erkennen und zu leben. Dies können wir sicherlich tun, aber es muss auch ein Preis dafür gezahlt werden. Es muss verdient werden. Zu verlautbaren, dass die Menschheit eins ist, ist nicht dasselbe, wie diese Tatsache zu leben. Der Schlüssel zum Verständnis dieses Augenblicks in der Geschichte liegt darin, zu erkennen, dass das menschliche Naturreich sich durch Krisen weiter entwickelt, und nicht dadurch dass es versucht, diese zu vermeiden. Durch die Auflösung und die Harmonisierung unserer Unterschiede, kann unser Eins-Sein wirklich gespürt und gelebt werden. Eine Krise ist daher ein Auftakt zu allen Erweiterungen des Bewusstseins. Die Evolution erfordert tatsächlich, das dies so ist.

Die grössere Frage, die gestellt werden kann, ist, was wir tun können, um die Seele der Menschheit, die versucht sich zu offenbaren, zu unterstützen? Es gibt einige Vorschläge, die angeboten werden können. Erstens sollte man ein Befürworter pluralistischer Ideen sein. Initiativen, die auf Multikulturalismus, Ökumene und egalitären Ideen basieren, sind besonders darauf hin orientiert, verschiedene Sichtweisen miteinander zu verbinden. Jede versucht, eine Verschmelzung hervor zu rufen und unterstützt damit das Eins-Sein der Menschheit, in dem sie die Unterschiedlichkeit wertschätzt. Realistisch gesehen, können wir nur – da die Natur der modernen Zivilisationen so komplex ist, durch die Vielfältigkeit Hoffnung haben, uns als eins zu verbinden.

Zweitens sollte man beginnen, Nationen und soziale Systeme als dual in ihrer Beschaffenheit zu sehen, jede/s hat ihre/ seine höhere und niedere Natur, eine Seele und eine Persönlichkeit. Dies ist ein wesentlicher Schritt, um die Seelen-Qualitäten, die von Personen und Umständen ausgehen, unterscheiden zu können, gegenüber denen, die durch die Persönlichkeit beeinflusst werden. Das Leben bekommt eine neue Bedeutung, wenn man sieht, wie sich diese Dualität in den Welt-Ereignissen ausdrückt. Dies ist ein Prozess, der beinhaltet, dass man über die äussere Form (die Persönlichkeit) hinaus schaut, um den goldenen Faden der Wahrheit (der Seele) zu erkennen, der von ihr verborgen wird. Dies wird dann leichter, wenn wir uns daran erinnern, dass keine Person, keine Institution oder Nation die Wahrheit gefunden hat, sondern jede einen Teil davon gefunden hat.Hierin liegt eine philosophische Wahrheit von enormer Wichtigkeit begründet.

Schliesslich sollten wir uns wegbewegen von der Tendenz, Dinge als richtig oder falsch, als gut oder böse anzusehen. Wenn wir in der Lage sind, die Dualität von Menschen und von Ereignissen wahrzunehmen, beginnen wir zu sehen, dass nichts in der Welt ganz gut oder ganz böse ist. Stattdessen beginnen wir zu erkennen, dass alles eine Mischung aus beidem ist. Die Frage, die gestellt werden kann, ist nicht, was ist richtig und was ist falsch? Wir sollten uns besser selbst fragen, wie ist das Verhältnis zwischen Licht und Dunkelheit, wie es sich in einer bestimmten Person, einer Nation oder einem Umstand darstellt? Aus einer solchen Perspektive heraus, können dann weisere Entscheidungen getroffen werden.

Abschliessende Bemerkungen

Die Menschheit befindet sich innerhalb einer grossen Phase der Krise auf dem Weg zur Erleuchtung. Wir werden mit enormen Herausforderungen konfrontiert, die erschütternde Folgen für alle Völker und Nationen auf der Welt haben. Und doch ist jetzt nicht die Zeit für Angst und Verzweiflung. Sondern jetzt ist eine Zeit des Prüfens und der Anpassung, die benötigt werden, damit wir uns vorwärts bewegen, hin zu einer erleuchteteren Existenz. Die Seele der Menschheit sucht einen grösseren Ausdruck in der Welt und zwingt unsere niederen Neigungen an die Oberfläche, so dass sie gesehen werden und transformiert werden können. Als solche schreiten wir über den brennenden Grund auf eine Tür zu, hinter der das heraufdämmernde Zeitalter der Gelegenheit und des Versprechens gefunden werden kann. Und doch erfordert das Hindurch-Schreiten durch diese Tür, dass wir dies Arm-in-Arm tun. In Zeiten globaler Umwandlung, treten die Gefahr und die Gelegenheit immer als Gefährten auf.

© 2009 William Meader

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