Die Evolution des Bewusstseins

14 Dec

Die Evolution des Bewusstseins

Wenn wir die Natur der menschlichen Evolution betrachten, betrachten wir sie typischer Weise unter physischen Aspekten. Für gewöhnlich denken wir daran, dass sie Veränderungen betrifft, denen die physische Form über riesige Zeiträume hinweg unterliegt. Laut Aussage der Wissenschaft sind die Kräfte, die diese Veränderung verursachen, natürliche Auswahl und Anpassung an die Umwelt. Die Esoterische Philosophie hingegen sieht dies aus einem etwas anderen Blickwinkel. Anstatt sie als ein physisches Ereignis zu betrachten, wird sie als ein dynamischer Prozess verstanden, der innerhalb des Bewusstseins stattfindet. Es ist das Bewusstsein, das sich entwickelt und die physische Form wird, im Laufe der Zeit, diese Veränderungen widerspiegeln. Die Evolution des physischen Körpers repräsentiert ganz einfach die Angleichungen, der die Form naturgemäß als Erwiderung auf die schrittweisen Veränderungen, die innerhalb der menschlichen Psyche auftreten, unterliegt. Dies unterscheidet sich erheblich von der Sichtweise der wissenschaftlichen Gemeinschaften. Tatsächlich wird das, was die Wissenschaft als Evolution ansieht, von der Esoterik nur als eine Auswirkung derselben betrachtet.

Es ist wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass das menschliche Bewusstsein in seiner Natur dual angelegt ist. Innerhalb jedes Menschen befinden sich zwei grundlegende Ebenen des Bewusstseins – eine gehört zum Verstand der Persönlichkeit (dem Ego) und die andere ist das Bewusstsein der Seele. Manchmal auch die niedere und die höhere Verstandes-Ebene genannt, stehen diese beiden Aspekte des Bewusstseins oft im Widerspruch zueinander. Der rationale niedere Verstand denkt das eine, während die Weisheit des höheren etwas anderes nahe legt. Doch geht es in der spirituellen Evolution nicht darum, das Niedere zum Vorteil des Höheren zurückzuweisen. Statt dessen geht es darum, die beiden zu einem verschmelzen zu lassen. Es ist ein Prozess, durch den die Weisheit der Seele sich selbst allmählich in den Verstand der Persönlichkeit einfließen läßt. Im tiefsten Sinne ist dies das grundlegendste Ziel, welches der menschlichen Evolution zugrunde liegt und seine Vollendung ist die Erleuchtung selbst.

Um den Prozess des Einfließen- Lassens zu erfassen, müssen wir erst den Unterschied zwischen dem Bewusstsein der Persönlichkeit und dem der Seele verstehen. Diesen Unterschied zu erkennen, bedeutet tatsächlich eine Grundvoraussetzung für diesen Prozess des Einfließens. Vergleichsweise wird das Bewusstsein der Seele durch Weisheit regiert, während die Persönlichkeit durch Wissen und Begehren gelenkt wird. Im Gegensatz zur Persönlichkeit wird die Seele durch selbstlose Liebe motiviert und reagiert einfühlsam auf das Wohlergehen und die Bedürfnisse des größeren Ganzen. Diese Sensibilität basiert auf der Fähigkeit der Seele das essentielle Eins-Sein der Menschheit zu erkennen. Die Persönlichkeit ist dazu nicht in der Lage. Statt dessen ist sie trennend in ihren Wahrnehmungen und wird von ihrem Bedürfnis angetrieben, ihre eigenen Ambitionen zu erfüllen. Wenn ein Mensch bewusst den spirituellen Pfad betritt, legt dies nahe, dass er/sie beginnt (bis zu einem gewissen Grad) diese Unterschiede zu erkennen. Dies ist es, das sie oder ihn dazu bringt, ein mehr spirituell ausgerichtetes Leben zu führen und den Beginn des Prozesses des Einfließens kennzeichnet.

Obwohl die Evolution des Bewusstseins auf der Verschmelzung dieser beiden Kategorien des Bewusstseins beruht, sollte nicht angenommen werden, dass beide von vornherein gleich viel Kontrolle besitzen, wenn sie sich verbinden. Die Seele benötigt die Persönlichkeit, um sich wirkungsvoll in der äußeren Welt auszudrücken. Dies ist der Hauptzweck des Verschmelzungsprozesses, da es die Bestimmung der Persönlichkeit ist, als der äußere Vermittler für die Seele zu agieren. Doch kann dies nur geschehen, wenn die Persönlichkeit bereitwillig der Autorität und Führung der Seele nachgibt. Überflüssig zu sagen, dass dies nicht etwas ist, das leicht erlangt wird und dass es normalerweise viele Inkarnationen benötigt, um diesen Zustand vollständig zu erreichen.

Ein Grundzug der Persönlichkeit ist, dass sie dazu neigt Widerstand gegenüber den höheren Eingebungen der Seele zu leisten. Für viele Inkarnationen war sie die führende Kraft des Lebens und läßt daher, als eine Auswirkung dieser Tatsache, nicht leicht von ihrer Kontrolle ab. Deswegen sind die meisten Menschen, die bewusst versuchen, ein spirituelleres Leben zu führen, teilweise seelen-beeinflusst. Ein Teil der Persönlichkeit begibt sich willentlich in die Führung durch die Seele, wohingegen ein anderer Teil weiterhin nach seinen eigenen Vorstellungen lebt. Daher kommt es, dass Menschen sich manchmal von ihrem mangelnden Vorwärtskommen auf dem spirituellen Pfad frustriert fühlen. Zu bestimmten Zeiten fühlen wir uns sehr verbunden mit den höheren Qualitäten, die durch die Seele ausgestrahlt werden. Zu anderen Zeiten jedoch verschwindet dieses Gefühl unerwarteter Weise und wir fühlen uns spirituell unverbunden. Dafür gibt es tatsächlich mehrere Gründe. Einer ist, dass im Moment der Unverbundenheit, die Persönlichkeit ihre Kontrolle erneut behauptet. So erfahren wir ein Vor- und Zurückschwingen zwischen den niederen und den höheren Aspekten unseres Selbst. Dies hat viele Folgen, einschließlich der Tendenz das Leben in zwei Teile zu unterteilen – ein Teil, der den spirituellen Dimensionen des Lebens gewidmet ist und der andere, der den weltlichen Dingen gewidmet ist. Tatsächlich tendiert die zweifältige Natur des Bewusstseins dazu, ein zweifältiges Leben hervorzurufen.

Zusätzlich zu dem Hin- und Herschwanken, das zwischen der Seele und der Persönlichkeit auftritt, gibt es psychologische Anomalien, die durch den Prozess des Einfließens hervor gerufen werden können. Zum Beispiel können depressive Gefühle auftreten, wenn die Seele versucht, in die Persönlichkeit einzufließen. Um dies zu verstehen, soll daran erinnert werden, dass die Seele ein höheres Energiesystem darstellt. Wenn dieses Energiesystem versucht etwas mehr von sich in die Persönlichkeit einfließen zu lassen, kann sich das niedere Selbst durch diese Erfahrung überwältigt fühlen. Die Persönlichkeit erkennt (bis zu einem gewissen Grad) die Weisheit der Seele und was diese ausdrücken möchte. Doch diese erhöhte Anregung kann dazu führen, dass die Persönlichkeit sich besiegt und als unfähig empfindet, den höheren Eingebungen der Seele zu entsprechen. In solchen Fällen kann es daraufhin zu einer Depression kommen.

Eine andere psychologische Anomalie, die auftreten kann, ist, dass das Ego sich aufbläht, aber aus den entgegengesetzten Gründen. Anstatt die Persönlichkeit sich unfähig fühlt, die zusätzliche Anregung zu verarbeiten, nimmt sie diese solcherart auf, dass das Ego sich ausdehnt. Ganz im Gegensatz zu dem, was man eigentlich erwarten würde, kann die größere Seelen-Beeinflussung anfangs zu einer Erweiterung der egoistischen Tendenzen führen. Sobald sich der neue Pegel der Beeinflussung stabilisiert, legt sich glücklicherweise diese Erweiterung des Ego und eine größere Selbstlosigkeit tritt hervor.

Hieraus sollte nicht abgeleitet werden, dass Menschen, die unter einer Depression oder der Ausdehnung des Ego leiden, zwangsläufig gerade eine Seelen-Beeinflussung erfahren. Im größten Teil der Fälle stammen diese Art von Problemen von den Kämpfen, die ausschließlich die Persönlichkeit erlebt und haben in keiner Weise mit der Seele zu tun. Nichts desto trotz sollte diese zusätzliche Verständnisweise dieser psychologischen Probleme (und auch andere) in Erwägung gezogen werden, wenn sich ein Mensch bewusst auf den Pfad begibt.

Wenn die Seele schrittweise die Persönlichkeit beeinflusst, kann sich ihre Präsenz in unterschiedlichster Weise bemerkbar machen. Anfangs kann jemand zunehmend die Notwendigkeit empfinden, einen positiven Beitrag zur Verbesserung von etwas beizutragen, das eigentlich außerhalb seiner/ ihrer Reichweite liegt. Weil die Weisheit der Seele ausgerichtet ist auf das Dienen, unterstützt sie Handlungen, die dem größeren Ganzen dienen. Ein seelen-beeinflusster Mensch wird auch dazu tendieren, das Leben zu verstehen, in dem er/ sie weit-gefasste und abstrakte Wahrheiten benutzt, um Ereignisse zu interpretieren. Ereignisse, die der Persönlichkeit als wahllos erscheinen, werden als bedeutungsvoll erkannt, wenn die Seele beginnt, sich an der Formung der Wahrnehmung zu beteiligen.

Wenn die Seelen- Beeinflussung zunimmt, liegt sehr viel weniger Betonung auf den persönlichen Aspekten des Lebens. Stattdessen beginnt sich der Fokus der Aufmerksamkeit des Lebens auf das Eins-Sein der Menschheit und deren evolutionären Notwendigkeiten auszurichten. Liebe wird ebenfalls anders erlebt. Die Seele ist ein Träger tiefer und beständiger Liebe. Wenn sie sich selbst durch den seelen-beeinflussten Anteil der Persönlichkeit ausdrückt, ist derjenige nicht mehr so sehr erfüllt von dem Wunsch nach persönlicher Liebe. Jetzt wird die Liebe zur Menschheit das bestimmende Thema des Lebens. Als Vergleich kann gesagt werden, dass die Liebe der Seele unpersönlicher und sehr viel umfassender ist als die Liebe, die von der Persönlichkeit empfunden wird.

Wir haben gesehen, dass der Verstand (und seine schrittweise Entwicklung) die Wurzel ist, auf deren Basis Evolution stattfindet. Die niederen Aspekte des Bewusstseins formen die Persönlichkeit und deren Wahrnehmungen, wohingegen die höheren die Weisheit der Seele beinhalten. Wenn eine Person schließlich beginnt, sich einem seelen-erfüllteren Leben hinzugeben, wird die innere Dualität leichter erkannt. Und aus dieser Erkenntnis heraus, beginnt die Reise hin zur Erleuchtung. Es ist eine Reise, die solcherart voran schreitet, wie die Seele selbst in der Lage ist (in kleinsten Anteilen), in die Persönlichkeit einzufliessen. Es ist tatsächlich so, dass die Seele die Persönlichkeit braucht. Deren Rolle ist es, das äußere Gewand zu sein, durch welches die Seele ihre Weisheit ausdrücken kann. Doch kann dies nur stattfinden, wenn die Persönlichkeit sich dem führenden Licht der Seele unterwirft.

Wenn die Persönlichkeit beginnt loszulassen, können oft eine Vielzahl an psychologischen Reaktionen auftreten. Reaktionen wie Depressionen, phobische Tendenzen und/ oder ein Anwachsen des egoistischen Verhaltens sind nur einige dieser Beispiele. Diese Reaktionen repräsentieren einfach die anfänglichen Herausforderungen, die die Persönlichkeit spürt, wenn sie schrittweise lernt, von der Seele geführt zu werden. So ist die Art der spirituellen Evolution. Sie fügt die Seele und die Persönlichkeit zusammen. Diese beiden müssen zu einem verschmelzen. Wenn dies vollständig erreicht wird, ist Erleuchtung nahe und die Fähigkeit Selbstlosigkeit zu zeigen, ist tiefgreifend vorhanden.

 © 2006  William Meader

Biographische Information:

William Meader ist Autor, Lehrer und Berater. Vieles seiner Arbeit konzentriert sich auf die Themen derSpirituellen Kreativität, der Evolution des Bewusstseins und der Astrologie der Seele. Er ist ebenfalls ein erfahrener Lehrer verschiedener Meditationstechniken. Zur Zeit unterrichtet er in den Vereinigten Staaten, Kanada, Europa, Australien und Neu Seeland. Er lebt in Oregon/ USA und kann über seine web-Seite erreicht werden  – meader.org.

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